Personalratswahl 2016: Demokratie im Kleinen

Was sind die Aufgaben des Personalrates und warum ist dieses Gremium für Ärztinnen und Ärzte wichtig? Wir haben Dr. Franz Josef Schmitz, seit 2007 Vorsitzender des eigenständigen Personalrats am UKGM in Marburg und Oberarzt, gefragt.

Welche Aufgaben hat der eigenständige Personaltrat? 

Schmitz: Der eigenständige Personalrat vertritt die Landesbediensteten  am UKGM in Marburg – wissenschaftliches und nichtwissenschaftliches Landespersonal. Wir entscheiden zum Beispiel mit bei der Einstellungen, Eingruppierungen, Kündigungen und Versetzungen.

Wie oft treffen sich die Mitglieder des Personalrats? Bei welchen Themen ist der Personalrat mit eingebunden?

Schmitz: Wir treffen und einmal in der Woche in einer nicht öffentlichen Sitzung. Von Außenstehenden werden wir daher gerne auch als Geheimrat bezeichnet, was natürlich Blödsinn ist. Der Vorsitzende lädt zu den Sitzungen ein und legt die Tagesordnung fest, wobei natürlich jedes Mitglied des Personalrats seine Themen einbringen kann. Ansprechpartner am UKGM ist für uns der kaufmännische Geschäftsführer. Gemeinsam haben wir mit der Dienststellen-Leitung und dem Personalchef einmal im Monat das sogenannte Monatsgespräch, da geht es dann um Themen wie die Hochschulambulanz, Weiterbildung, elektronische Patientenakte oder Bettmanagement sowie die Eingruppierung von Beamten.

Wichtig ist, dass der Austausch und Umgang im Personalrat auf einer vertrauensvollen Basis abläuft. Grundlage unserer Arbeit ist das Hessisches Personalvertretungsgesetz (HPVG) sowie der TV-Ärzte Hessen, der Tarifvertrag des Marburger Bundes, der mit dem Land Hessen für die Ärztinnen und Ärzte ausgehandelt wurde. Wir überwachen, dass die Regelungen eingehalten werden.

Wir regen im Personalrat zudem Veränderungen an. Das ist Demokratie im Kleinen. Wir drehen hier kein großes Rad, sondern sind bei den kleinen Dingen aktiv, die im Berufsalltag wichtig sind.

Können Sie ein paar Beispiele nennen?

Schmitz: Ja. Wenn es zum Beispiel Probleme mit dem Chef gibt, weil er einen Arzt in Weiterbildung nicht in den OP lässt. Hier können wir das Gespräch suchen, ohne das Thema an die große Glocke zu hängen.

Oder auch, dass in vielen Fällen aufgrund der Arbeitsverdichtung Forschung und Lehre nicht nachgekommen wird. Auch hier setzen wir uns ein. Dies ist ein Thema, das ausschließlich vom Personalrat beachtet wird.

Zudem liegen dem Personalrat die Vereinbarkeit von Beruf und Familie besonders am Herzen. Wir begleiten Ärztinnen und Ärzte bei den Themen Elternzeit und Kinderbetreuung.

Unsere Erfolge sind die kleinen Dinge im täglichen Alltag: Probleme lösen, Gespräche führen.

Ein großes Thema ist noch die Mitbestimmung der Arbeitszeiten in Forschung und Lehre. Das ist eine große Baustelle, die wir weiter angehen wollen.

Warum ist gerade für Ärztinnen und Ärzte der Personalrat ein wichtiges Gremium?

Schmitz: Die Wahl des Personalrats ist die Chance für Ärztinnen und Ärzte, sich zu engagieren und ihre Arbeitsbedingungen mitzugestalten, sonst macht es der Arbeitgeber ohne uns. Denn die Arbeitswelt lässt sich nur ändern, wenn man sich auch aktiv dafür einsetzt. Ich rufe vor allem junge Kollegen auf, sich aktiv zu engagieren.

Gibt es Fortbildung für Mitglieder im Personalrat?

Schmitz: Ja, das Handwerkzeug muss gelernt sein. Aber es ist kein Hexenwerk und neue Mitglieder werden nicht ins kalte Wasser geworfen, sondern an die Themen und Aufgaben herangeführt.

Welche Voraussetzungen sollten Ärzte mitbringen?

Schmitz: Ärzte bringen die besten Voraussetzungen schon mit: Interesse an Menschen und zuhören können. Außerdem sammeln und verteilen wir Informationen. Gegenseitiges Vertrauen sowie das Gespräch suchen und führen wollen gehören auch dazu.

Wie können Sie die Tätigkeiten im Personalrat mit der Arbeit in der Klinik vereinbaren? 

Schmitz: Ich habe Medizin studiert und hatte nicht zum Ziel im Personalrat zu arbeiten. Ich bin durch persönliche Erfahrungen in der Arbeitswelt dazu gekommen. Ich bin auch weiterhin Arzt aus Leidenschaft und mache meine Dienste, allerdings habe ich für die Arbeit im Personalrat eine Teilfreistellung.

Die Motivation ergibt sich aus dem Berufsleben, sich einzubringen. Herzblut und menschliche Erfahrungen stecken darin.

Mitbestimmung lebt davon, sich aktiv einzubringen. Ärzte sind dazu aufgerufen, sich zu engagieren und zu informieren. Dies kann am Ende auch die Arbeitsplatzzufriedenheit steigern.

Wahlen

Die Wahl findet zwischen dem 1. bis 31. Mai 2016 statt. Wahlberechtigt sind alle Landesbedienstete - wissenschaftliche und nichtwissenschaftliche Mitarbeiter. Gewählt wird der eigenständige Personalrat alle vier Jahre. 

Zahlen und Fakten

Warum eigentlich „eigenständiger“ Personalrat? Es gibt einen Personalrat der Universität und einen eigenständigen Personalrat der Uniklinik für die Landesbediensteten (wissenschaftliches und nichtwissenschaftliches Personal).Die Zahl der Mitglieder richtet sich nach der Zahl der Beschäftigten, derzeit sind es 11 Mitglieder. Die Mitglieder des Personalrats haben einen Kündigungsschutz. Zudem gibt es die Möglichkeit der Freistellung für 2 Mitglieder.

Autor: mn

 

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