
Die deutsche Ärzteschaft steht vor ihrer Schicksalsstunde im Gefolge umwälzender Änderungen der Gesellschaftspolitik, beim politischen Zusammenschluß von europäischen Nationen mit unterschiedlicher Sozialstruktur und gesundheitspolitischer Zielsetzung ist sie aufgerufen, ob sie sich für den Weg des geringsten Widerstandes oder für einen Abwehrkampf rüsten will, der ihr Berufsfreiheit und Selbstständigkeit, nicht zuletzt im Interesse des ganzen Volkes, auch für die Zukunft sichern soll.
Dagegen verblassen Ärztekammerwahlen, zu denen die in der Landesärztekammer Hessen zusammengeschlossenen Berufsangehörigen in der Zeit vom 26. Juni bis zum 5. Juli aufgerufen sind.
Der Marburger Bund, der freie ärztliche Berufsverband der angestellten und beamteten Ärzte, sieht in solchen Wahlen nicht mehr als einen natürlichen Vorgang, denn das Recht des einzelnen Arztes, Kollegen seines Vertrauens mit der Vertretung seiner Interessen zu beauftragen, ist für den Verband auch ein Grundsatz seiner Politik, seines Zieles, fähige und verantwortungsbewußte Kollegen in die Berufsvertretung zu delegieren.
Wenn es trotz aller Bemühungen nicht gelungen ist, einen Wahlkampf in Hessen zu verhindern, so trägt der Marburger Bund daran keine Schuld. Mit Sorge erfüllt sieht er in der Zersplitterung der freipraktizierenden Ärzteschaft nicht nur in Verbände, sondern in Gruppen nach Art ihrer Berufsausübung in freier Praxis, die heraufziehende Gefahr, daß die Auseinandersetzungen bei der Wahl weniger der Sache, als vielmehr Gruppen- und Einzelinteressen dienen sollen. Von solcher ärztlicher Politik distanziert sich der Verband der angestellten und beamteten Ärzte nachdrücklich. Sie kann niemals dem Berufsstand in seiner Gesamtheit dienen. Sie muß zwangsläufig zu einer Berufspolitik führen, die sich mit Kleinlichkeiten und Unwesentlichem aufhält, nicht aber das Wesentliche verfolgt.
Der Marburger Bund sieht in einem starken Parlament der Ärztekammer eine wirkungsvolle Unterstützung der Berufsinteressen seiner Mitglieder, die sich über einen meist befristeten Zeitraum nicht unbedingt mit denen der frei praktizierenden Ärzteschaft decken müssen.
Er sieht in der ärztlichen Berufsvertretung das Forum und den notwendigen Partner, um sich gegenüber dem Gesetzgeber und der Öffentlichkeit in allen den Berufsstand angehenden Anliegen am wirkungsvollsten durchsetzen zu können.
Der Marburger Bund sagt aber an dieser Stelle auch allen denen - Einzelgängern und Sonderlingen -, die in verantwortungsloser Weise gegen den Grundsatz unserer demokratischen Ordnung verstoßen und unter Inanspruchnahme vermeintlichen Rechts eine Diktatur der Minderheit zum Schaden aller Ärzte erreichen wollen, einen unerbittlichen Kampf an.
Die angestellten und beamteten Ärzte, die leitenden Ärzte und Werksärzte, kurz alle, sich sich mit uns verbunden fühlen, wählen
und die ihnen folgenden, aus Platzmangel hier nicht genannten Vertreter Ihrer Interessen in der Landesärztekammer Hessen.
Verband der angestellten und beamteten Ärzte